Referenz Uelzen II

Übersicht 

Statistiken, Kennzahlen, Technische Hauptdaten

Kammer-Nutzlänge: 190,00 m
Kammerbreite: 12,50 m
Hubhöhe: 23,00 m
Bauwerksgesamtlänge: 311,00 m
Bauwerksgesamtbreite: 52,50 m

Soil-Jet-Sohle

Abgesteckte Säulenanzahl: 11.800 Stück
Abgesteckte Soil-Jet-Gewindepfähle: 1.700 Stück

Geotechnik

20 Inklinomter
5 Extensiometer
15 Gleitmikrometer
18 Gleitdeformeter
50 Pegel außerhalb
38 Pegel innerhalb
24 Brunnen außerhalb
16 Brunnen innerhalb
15 Gewindestangen (Gewi)

Vermessungsdaten
130 Lagefestpunkte
150 Vermessungshilfspunkte
200 Höhenfestpunkte, die ständig kontrolliert werden
100 Deformationsmessungen in der Lage
250 Deformationsmessungen in der Höhe
6100 Berechnungsseiten
1000 Vermessungsprotokolle/ -risse

Zweck und Lage der Schleuse Uelzen II

Der Elbeseitenkanal ist der Wasserstraßenanschluss des Seehafens Hamburgs zum deutschen Kanalnetz. Die vorhandene Schleuse Uelzen I und das Schiffshebewerk in Scharnebeck sind zwei Abstiegsbauwerke des Elbeseitenkanals. Die Schleuse Uelzen I zählt mit einer Hubhöhe von 23 m zu den größten Binnenschleusen Deutschlands. Die Sparbecken der Schleuse Uelzen I sind terrassenförmig seitlich der Schleusenkammer angeordnet. Durch den erhöhten Verkehrszuwachs auf dem Elbeseitenkanal war es nötig, eine zweite unabhängige Schleuse zu bauen. Nach der Fertigstellung der Schleuse Uelzen II wird der Hauptverkehr über diese Schleuse geführt.

Konstruktion der Schleuse Uelzen II

Die Schleusenkammer hat eine Ausdehnung von 190 m Länge und 12,5 m Breite. Es schließt ein Einlauf- und Auslaufbauwerk mit Tosbecken und ein Oberer- und Unterer Vorhafen an. Die neue Schleuse wird, wie die Schleuse Uelzen I auch als Schachtschleuse mit Sparbecken gebaut. Bei dem Neubau werden aber die Sparbecken in geschlossener Konstruktion beidseitig übereinander angeordnet. Zusätzlich konnte so eine weitere Sparbeckenebene mit gebaut werden. Die Schleuse wird bis zur Unterkante der Sparbecken fugenlos errichtet. Die Befüllung der Schleuse erfolgt stufenweise aus den Sparbecken über die Sparbeckenzulaufkanäle und dem unter der Kammersohle liegenden Grundlaufkanal in die Schleusenkammer. Die insgesamt 8 Sparbecken sind dazu jeweils mit 2 Sparbeckenzuläufen mit dem Grundlaufkanal verbunden und dieser über eine Vielzahl kleinerer Öffnungen mit der Schleusenkammer. Zur Regelung der Wasserströme sind diverse Verschlüsse in den Kanälen eingebaut worden.

Vermessungsarbeiten

Die Baugrube war so zu planen, dass aus ökologischen Gründen das Grundwasser nicht abgesenkt werden musste. Folgende Baugrubenkonstruktion wurde gewählt.

Soil-Jet-Sohle

Unter der Baugrubensohle befindet sich eine bis zu 1,5 m dicke Soil-Jet-Sohle. Diese setzt sich aus rund 11.800 Einzelsäulen mit einem Einzeldurchmesser von ca. 1,80 m zusammen, welche jeweils nach Abteufen einer Bohrung in Sohl-Tiefe gedüst wurden.
Die Rückverankerung der Sohle mit rund 1.700 Soil-Jet-Gewi-Ankern wurde parallel eingebaut. Die Soil-Jet-Arbeiten wurden durch eine intensive Qualitätssicherung begleitet. Die Baugrubensohle wurde nach dem Soil-Jet-Gewi-Verfahren hergestellt. Eine Innovation beim Bau der Soil-Jet-Sohle betrifft die Bestimmung der Lage jeder einzelnen Soil-Jet-Säule. Hierzu wurde der Verlauf jeder Bohrung mit Hilfe einer elektronischen, im Bohrgestänge integrierten, Bohrlochsonde ermittelt.

Die Bohrung wurde ständig überprüft und bei Abweichungen wurde per Funk die Bauleitung informiert. Alle Bohrungen wurden abgesteckt und anschließend aufgemessen. Die Gewi-Anker zur Sicherung der Soil-Jet-Sohle gegen Auftrieb haben eine Gesamtlänge von bis zu 26 m und wurden zusammen mit der zugehörigen Soil-Jet-Säule unmittelbar im Anschluss an eine noch nicht erhärtete Soil-Jet-Säule hergestellt.

Für unsere Geräte wurde ein Unterstand gebaut, da diese Tag und Nacht im Einsatz waren. Ein 2-Schichtsystem a 12 Stunden wurde eingeführt. Es waren 2 Geräte gleichzeitig im Einsatz und ein weiteres Gerät war für eventuelle Ausfälle oder Testmessungen auf der Baustelle vorhanden.

Bohrpfahlwand

Zur Sicherung des Geländesprunges zwischen dem bestehenden Oberen Vorhafen und der geplanten Baugrube für die neue Schleuse mit einem Höhenunterschied von 18 m wurde ein massiver Verbau in Form von Stahlbetonbohrpfahlwänden Ø 1,50 und Ø 1,20 m gewählt, rückverankert in 3 Lagen.

Diese Bohrpfahlwand wurde über die gesamte Bauphase lage- und höhenmäßig kontrolliert. Es wurden ca. 30 Kontrollmessungen durchgeführt.

Schlitzwand

Bei einer Aushubtiefe von 16 m und einem Wasserüberdruck bis zu 21 m waren an die wasserundurchlässige und verformungsarme Baugrubenumschließung besondere Anforderungen zu stellen. Damit die Wand den sehr hohen Belastungen aus Erd- und Wasserdruck standhalten kann, wurde eine Stahlbeton-Schlitzwand mit einer Dicke von 1,20 m ausgeführt.


Die Schlitzwand wurde durch uns abgesteckt und anschließend aufgemessen.

Die Schlitztiefe beträgt im überwiegenden Bereich der Baugrube 18 m, im Bereich des Verbaus am oberen Vorhafen musste die Schlitzwand aufgrund höherer Belastungen auf die Wand bis zu einer Tiefe von 23 m eingebracht werden. Die Schlitzwand wurde bis zum Januar 2005 ständig auf Lage- und Höhe kontrolliert. Es wurden ca. 80 Kontrollmessungen durchgeführt.

Lage- und Höhennetz

Das vorhandene Lagenetz wurde durch die Schaffung von zusätzlichen Vermessungspfeilern erweitert. Diese wurden in den Boden eingelassen. Zusätzlich wurde gleich ein Mauerbolzen mit eingesetzt, der regelmäßig kontrolliert wird. Das Lage- und Höhennetz wird 1 mal jährlich im März neu gemessen und ausgeglichen. Bei der Lagenetzmessung wird zusätzlich die Bestimmung mittels GPS durchgeführt. Die Höhenmessung erfolgt mittels feinnivellement.
In der Baugrube wurde das Lagenetz ständig erweitert und kontrolliert. In jeder Ebene, Gang und Sparbecken wurden örtliche Baunetze eingerichtet die auch an das staatliche Netz angeschlossen wurden. Für den Stahlwasserbau wurde ein zusätzliches Lage- und Höhennetz eingerichtet. Als Vermarkung wurden hauptsächlich Messingmarken mit eindeutiger Kennzeichnung verwendet.

Geomesstechnik

Um die Verformung der Baugrube und der örtlichen Umgebung nachzuweisen wurden ca. 20 Inklinomter, 5 Extensiometer, 15 Gleitmikrometer, 18 Gleitdeformeter, 50 Pegel außerhalb, 38 Pegel innerhalb, 24 Brunnen außerhalb,16 Brunnen innerhalb und 15 GeWi’s gesetzt und installiert. Diese wurden dann auch Lage- und Höhenmäßig gemessen und ausgewertet.

Hier wird die Messeinrichtung angebracht um die höhenmäßige Kontrollmessung mittels einem selbstregistrierenden Digitalnivellier durchführen zu können. Später wurde ein automatisches Nivellier aufgebaut, welches selbstständig in gewissen Zeitabständen gewisse Punkte automatisch anzielt und die Messdaten zu einem externen PC übertragen hat.

Schichtenkontrollen

In der Baugrube wurden das Einbringen der verschiedenen Erdschichten überwacht und auf Höhe kontrolliert.

Setzungskontrollen

Es wurden in der Sohle der Baugrube Gewindestangen eingesetzt, die mit jeder Betonage aufgestockt bzw. gekürzt wurden, sodass eine Kontrolle der Setzungsverhältnisse in der  Baugrube von Anfang bis Ende nachvollziehbar war. Unmittelbar vor jeder Aufstockung und nach der Aufstockung wurden die Höhen gemessen. Weiterhin wurden die Gewindestangen in einem Intervall von 2 Wochen gemessen. Dieser Intervall wurde erst Ende 2003 auf 4 Wochenheraufgesetzt.

Wichtige Bauteile werden alle paar Wochen auf Bewegung in Lage und Höhe kontrolliert und protokolliert. Hierbei handelt es sich um die Kontrollmessung des Verbindungsganges.

Messausrüstung

Unsere fast tägliche Messausrüstung wurde teilweise mit dem Kran in die Baugrube gehoben. Bei einigen Messungen wurden bis zu 20 Prismen verwenden die dann doppelt bestimmt worden sind. Bei Bauabsteckungen wurde sich immer frei Stationiert und  mindestens 4 gut verteilte Fernziele angezielt. Es war eine Absteckgenauigkeit für Betonteile von 3mm vorgegeben.

Messungen zu späten Abendstunden konnten durch die gute Ausleuchtung der Baustelle realisiert werden. Komplexe Messungen konnten so ohne den Baubetrieb zu behindern nachts durchgeführt werden.

Verankerungskonsolen

Bei der Absteckung und der Kontrollmessung der Verankerungskonsolen in den Sparbeckenzuläufen kam es auf höchste Einbaugenauigkeiten an. Diese wurden mit unterschiedlich angefertigten Distanzstücken gemessen, um so dem Mittelpunkt der Bohrung in der Wand zu bestimmen.

Kammerwände, Pollernischen, Fahrstuhlschächte, Einbauschächte

Alle Pollernischen, Fahrstuhlschächte und Einbauschächte wurden mittels PZL auf Einbaugenauigkeiten untersucht und graphisch in Querschnitten dargestellt.

Kontrollmessungen der Revisionsverschlüsse in den Sparbeckenzuläufen wurden mittels Lotung und Schnittzeichnungen im 2-m-Raster dargestellt.

Erdbau

Spundwände wurden abgesteckt und auf Bewegung kontrolliert. Die Erdmassenermittlung im oberen und unteren Vorhafen erfolgte über das digitale Geländemodell. Einbaunachweise der Erdschichtstärken und der Massen zwischen den Spundwänden wurden erstellt.

Stahlwasserbau

Besonders hohe Genauigkeiten waren bei den Einbauteilen des Stahlwasserbaus erforderlich. Dort musste eine Messgenauigkeit von 1mm nachgewiesen werden. Hierfür mussten viele Kontrollen eingebaut und berechnet werden. Es sollte die Einbaugenauigkeit und Verformung von einzelner Bauteilen nachgewiesen werden.

Absteckungen

Alle wichtigen Bauteile wurden durch uns abgesteckt und eingemessen wie z.B. Einlauftrichter, Verbindungsgänge, Überläufe, Schächte, Treppenhäuser, Pollernischen, Strömungspfeiler, ect., ect..